Keine Angst vor 
Maschinenlernen

  • December 7, 2016

Keine Angst vor Maschinenlernen

Maschinenlernen ist eine mo­derne Wissenschaft, die Muster identifiziert und Vorhersagen, basierend auf der Auswertung von großen Datenmengen, deren Musterkennung und tiefgreifenden Analysen, entwickelt. Stefan Kuhlmann will in einem Gastbeitrag die Angst vor Maschinenlernen nehmen.

Maschinenlernen ist besonders effektiv in Situationen, wo Rückschlüsse und Vorhersagen aus großen, vielfältigen und sich schnell verändernden Datenmengen getroffen werden müssen. In diesen Fällen übertrifft Maschinenlernen die traditionellen Methoden an Genauigkeit, Tiefe und schneller Verfügbarkeit. Maschinenlernen und Künstliche Intelligenz haben längst in unserer Welt Einzug gehalten. Für das IT-Beratungsunternehmen Gartner Group ist das Thema KI das Thema des Jahres 2016 und hat die Utopie eines Hypes verlassen. Investmenthäuser wie Goldman Sachs sind deshalb auch sehr optimistisch bei den Wachstumsprognosen für diesen Markt. Bei Research & Markets prognostiziert man ein durchschnittliches Wachstum von mehr als 50 Prozent in den nächsten Jahren – wurden 2014 noch knapp 420 Millionen US-Dollar im Markt für künstliche Intelligenz (KI) umgesetzt, dürfte dieses Volumen im Jahr 2020 mehr als 5,0 Milliarden US-Dollar erreichen.

Verbraucher in Europa sehen KI positiv

Verbraucher in Europa haben wenige Ängste vor einer Übermacht von KI und dem Phänomen des Maschinenlernens. Im Rahmen einer Studie von Rocket Fuel hatten durchschnittlich 43 Prozent der befragten Europäer eine positive Einstellung zur Künstlichen Intelligenz, nur zehn Prozent zeigten sich eher skeptisch. 23 Prozent der Befragten trauten ihr sogar zu, dass sie große Probleme der Menschheit lösen könnte.

Auch Anbieter von digitalen Werbelösungen setzen zunehmend Technologie beim Zielgruppen-Targeting und bei Optimierungsstrategien ein. Maschinenlernen und Künstliche Intelligenz erweisen sich für die Datensammlung und Analyse im Marketing als sehr hilfreich. Der digitale Verbraucher hinterlässt viele und sich schnell verändernde Spuren im Netz, die durch Maschinenlernen analysiert werden können, und dafür sorgen, dass Kampagnen effektiver und relevanter für Zielgruppen sind.

Skepsis bei Marketern

Dem gegenüber steht eine nach wie vor große Skepsis bei Marketingverantwortlichen. Ist es die Angst vor Kontrollverlust? Hält man sich krampfhaft an den Methoden der Vergangenheit – Intuition und Annahmen – fest, obwohl der Verbraucher längst viel differenzierter geworden ist als noch zu Zeiten von Meister Proper Werbung & Co. und mit relevanten Inhalten in seiner jeweiligen Nutzungssituation angesprochen werden möchte?

Maschinenlernen erhöht die Kampagneneffektivität signifikant

Ad-Technologie und Maschinenlernen gewährleisten es, Onlinewerbung genau an den Nutzer auszuliefern, der sich für eine Marke interessiert. Die Conversion-Wahrscheinlichkeit steigt signifikant an. Warum nutzen die Werbetreibenden dieses Wissen nicht? Maschinenlernen, in der Onlinewerbung eingesetzt, hilft Annahmen zu validieren, kann neue und überraschende Erkenntnisse bieten, aber auch ganze Marketingstrategien in Frage stellen. Vielleicht ist dies das Problem: Man tut sich einfach schwer, liebgewordene Vorurteile über Konsumenten und Zielgruppen über den Haufen zu werfen.

Bringt uns Maschinenlernen um den Job?

Die Ängste sitzen wahrscheinlich sogar noch tiefer: Künstliche Intelligenz könnte ganze Teile der Branche überflüssig machen. Ich bin überzeugt: Trotz aller Lernfähigkeit der Maschinen bleiben Daten menschlich, und wir werden auch in Zukunft gebraucht, um Daten in den Kontext einzuordnen und auch zu definieren, was mit der Datenanalyse erreicht werden soll. Maschinen sind uns in der Umsetzung und Verarbeitung von großen Datenmengen und ihrer Indexierung überlegen. Trotzdem wird der menschliche Input weiterhin gebraucht.